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10-11/2001

ECHO �LONSKA

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„Heimat Oberschlesien“

Guten Abend, meine Damen und Herren!

Ich danke Ihnen daf�r , da� Sie es auf sich nahmen, durch Ihr Erscheinen heute Abend in diesem Saale meine Zuh�rerschaft zu sein.

Angesichts dessen, da� viele von Ihnen mehr Vortr�ge gehalten haben als ich geh�rt habe, bitte ich Sie herzlichst um Nachsicht; ich lasse in meiner Lesung eine ganze Reihe von Punkten unangesprochen, so, da� es dadurch auf jeden Fall f�r eine rege anschlie�ende Disskussion gesorgt ist.

Sehr verehrte Herrschaften,
meinen Vortrag habe ich „Heimat Oberschlesien“ betitelt. Bei dem Universalit�tsanspruch dieses Titels kann ich nur hoffen, da� keiner unter Ihnen ist, der jetzt etwas �ber die geologische Beschaffenheit des Landschtriches Oberschlesien zu erfahren hofft. Einige ausgesuchte Aspekte zum obigen Thema trage ich Ihnen allerdings sehr gerne vor, denn Oberschlesien ist auch meine Heimat.

Um es vorweg zu nehmen: Erwarten Sie keinen trockenen, wissenschaftlichen Bericht - ich verdiene meinen Lebensunterhalt als Pf�rtner und bin �berzeugungst�ter, kein Wissenschaftler. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, da� f�r viele von Ihnen, die von Jugend auf gewohnt sind, emotionslos und vernunftsm��ig an einem Studienobjekt zu arbeiten, so ein durch das Herz diktierter Vortrag durchaus interessant sein kann.

In meiner vorliegenden Arbeit meine ich unter dem Begriff „Oberschlesien“ die ehemaligen F�rstent�mer M�nsterberg, Oppeln, Ratibor und die Standesherrschaften Ple� und Beuthen . Es liegt seit 1945 in den, inzwischen auch v�lkerrechtlich anerkannten, Grenzen des polnischen Staates und ist gegenw�rtig unter den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien mit der Hauptstadt Kattowitz aufgeteilt.(Karte) Schon seit 1870 etwa fing man an, den Begriff „Oberschlesien“ nur auf das oberschlesische Industriegebiet zu reduzieren und �bersah vielerorts die Tatsache, da� es im Wesentlichen - und das bis zum heutigen Tage- aus Wald und, vor allem sandiger, Flur besteht. Vor seiner Teilung im Jahre 1922 betrug seine Fl�che 13238 km2.

Einige S�tze h�her sagte ich: „...denn OS ist auch meine Heimat.“ Wessen Heimat denn noch ist OS? In einem meiner unver�ffentlichten, denn noch gar nicht fertigen Artikel, der den barocken Titel „�ber den Umgang mit den polnischsprachigen Deutschen OS und worunter diese noch sonst zu leiden haben“ tr�gt, schreibe ich dazu:

  1. Die Nachk�mmlinge der verh�ltnism��ig sp�t in Oberschlesiens St�dten und D�rfern ans��ig gewordenen Deutschen aus dem �brigen Heiligen R�mischen Reich/Deutscher Bund/Deutsches Reich - Gebiet, die sich fast im nichts von seinen Landsleuten im �brig gebliebenen Deutschland unterscheiden.

  2. Die Nachk�mmlinge der friderizianischen Kolonisten, die der deutschen Sprache treu blieben, weswegen auf sie auch das die erste Gruppe Auszeichnende zutrifft. (Es gab n�mlich auch friderizianische Kolonisten aus anderen deutschen Landen, die schon in der 2-ten Generation Wasserpolnisch (1.) schwatzten.)

  3. Die Einheimischen, die meist durch sozialen Aufstieg, den oben erw�hnten Gruppen gleich wurden - bis auf den Nachnamen.

  4. Die Gruppe der OS, die den Tatbestand des „schwebenden Volkstums“ erf�llt.

  5. Die OS des eindeutig polnischen Selbstverst�ndnisses.

  6. Die OS, die sich weder als „Polen“ noch als „Deutsche“ sondern als „Schlesier“ definieren.

  7. Inzwischen die Zahlenm��ig st�rkste Gruppe: Die Nachk�mmlinge der ab 1945 nach OS einger�ckten Polen, die sich auch als „OS“ (2.) begreifen - was ihnen keineswegs zu verdenken ist; schlie�lich wurden sie dort geboren.

Sieht man sich diese Aufstellung an, kommt man zu dem Schlu�, da� sie durchaus reduzierbar ist. Und so k�nnen wir getrost die Gruppen 1.), 2.) und 3.) unter „Deutsche“ verbuchen, denn sie unterscheiden sich untereinander nicht in h�herem Ma�e als das auch die Beyern oder Sachsen untereinander tun; die Gruppen 5.) und 7.) aus dem selben Grund unter „Polen“; die Gruppe 4.) ist seit Sumers Zeiten in den Grenzl�ndern der Welt bekanntes Ph�nomen; die Gruppe 6.), und zwar die OS, die sich weder als „Deutsche“ noch als „Polen“, sondern als „Schlesier“ definieren und dabei die Volkszugeh�rigkeit meinen, wird hingegen als Kuriosum gehandelt, denn es gibt doch schon die Sorben und Friesen hierzulande, die Els��er in Frankreich, Kurden im Orient und man h�rt munkeln, da� beispielsweise die Nigerianer, auch wenn sie alle schwarz sind, sollen doch nicht einer einzigen Ethnie angeh�ren.

Als ich soeben den Titel meines unver�ffentlichten Artikels nannte, fiel aber auch, in seiner zitierten Passage nicht mehr vorgekommenes, Reizwort: „Die polnischsprachigen Deutschen Oberschlesiens“. Die Oberschlesier polnischer Zunge und eindeutig deutschen Nationalbewu�tseins. Sowas gibt es, meine Damen und Herren. Einer ihrer Vertreter, getreu dem Wort von der Zeugnisabgabe, sitzt hier vor Ihnen. Wir sind die Leute, bei denen zwar das Bewu�tsein, aber nicht die Zunge, germanisiert wurde.

Im weiteren Verlauf meines Vortrags werden wir noch eingehender auf diese Gruppe zu sprechen kommen, denn, zum Ersten, ist sie beteutend was ihre Zahl anbetrifft, zum Zweiten, ist sie mein Steckenpferd, zum Dritten, ein Tabu, auch f�r die Betroffenen selbst, und brechen von Tabus bereitet mir Freude, zumal es in einer Demokratie weder das Leben noch die Freiheit kostet, und zum Letzten, je wunderlicher eine Erscheinung , desto wortreicher die Erkl�rung zu ihrem Verst�ndnis - falls dieses �berhaupt m�glich. Und im obigen Falle ist es m�glich.

Wie Sie sehen, fing ich mit meiner heutigen Rede nicht bei Adam und Eva an und auch nicht bei der Hallstattkultur, weder mit den Hunnen noch mit den Silingern-ggbf. den Burgundern-langweilte, ja, nicht mal, dem Bayerischen Geographen gleich, die Opolinen erw�hnte, die im 9Jhr. In meiner Heimat siedelten; desweiteren mich nicht an den polnischen Piastenk�nigen festbi�, gar den Mongolensturm des Jahres 1241 weglie�, und weder die zwei Jahrhunderte der b�hmischen noch ann�hernd ebensoviele Jahre der �sterreichischen Lehenshochheit �ber OS versetzten mich in Affekt ; ich fing im „Heute“, in der Gegenwart an. Da jedoch in jedem „Heute“ das „Gestern“ mitschwingt, will ich bis zum Jahre 1742 zur�ckgehen, als Oberschlesien-bis auf die Herzogt�mer Troppau-J�gerndorf und Teschen(Karte)-nebst Niederschlesien vom Friedrich dem II, seit seinem Sieg in der Schlacht bei Ro�bach 1757 der „gro�e Fritz“ genannt, woraus „Friedrich der Gro�e“ wurde, gewaltsam dem preu�ischen K�nigreiche einverleibt ward und dadurch sich an die 130 Jahre sp�ter als Bestandteil des Bismarckschen Reiches wiederfand.

�ber die Lage der oberschlesischen Bev�lkerung zur Anfangszeit der preu�ischen Herrschaft schrieb ich neulich in einem meiner in Wasserpolnisch verfassten kabaretistischen Texte wie folgt: „Bei den Habsburgern war es, wie es war; aber jetzt ging f�r uns ein f�r allemal die Zeit der runden Ecken zu Ende, rechts ward pl�tzlich immer rechts, links immer links, und da� es so blieb, daf�r sorgten allerlei Beamte, von denen fr�her alle Jahre mal einer zu sehen war und jetzt f�r alles und jedes einer- wenn nicht mehrere-eingesetzt wurde.“

Bevor ich zu ma�geblichereren, weil zeitgen�ssischen Zitaten �bergehe, m�chte ich folgendes er�rtern:

Wer waren „wir“, die ich im obigen Zitat auf Grund der grammatikalischen Regeln mit „uns“ meinte, wer war die oberschlesische Bev�lkerung jener Zeit im 18-ten Jahrhundert?

Sie war, dank dem „Seligmacher“ Karl Hannibal von Dohna seit langem wieder katholisch, welcher Umstand dem Alten Fritz �berhaupt nicht pa�te, wies unwarscheinlich tiefen Stand der Kultur auf, was den K�nig weniger st�rte, und sprach Wasserpolnisch, was ihn g�nzlich unger�hrt lie�. F�r die weitere geschichtliche Entwicklung war es aber von erheblicher Bedeutung.

Lange vor dem mittelbaren Eingang in das Hl. R�m. Reich mit dem Vertrag von Trentschin 1335 war OS, darin weiten Gebieten Mittel-und Osteuropas gleichend, von der mittelalterlichen deutschen Ostkolonisation betroffen. W�hrend jedoch u.a. im Sudetenland, Pommern, Nordostpreu�en, Niederschlesien noch im Mittelalter weite Landstriche vollst�ndig germanisiert wurden, stand sogar in den im III Reich gebr�uchlichen Sprachatlanten „Wasserpolnisch“ als das vorherrschende Idiom inOS.

Freilich war schon im 18-ten Jhr. sowohl der oberschlesische Adel als auch weite Teile des st�dtischen B�rgertums, ungeachtet dessen, ob germanischer oder slavischer Wurzel, deutsch. Die Masse der Bev�lkerung jedoch waren Nachkommen der hier von dem 6Jhr. an eingewanderten Slaven und, selbst wohl ohne solche B�rde wie Nationalbewu�tsein, galten aufgrund ihrer Sprache, eines altert�mlichen Polnisch, den Deutschen als Polen.

Ein Breslauer Beamte, Namens Friedrich Zimmermann, schreibt unter dem Titel „Beytr�ge zur Beschreibung von Schlesien“ wie folgt: „Sie (die Oberschlesier,A. B.-B.) lieben den Branntwein und sind faul“, „Der Charakter des gemeinen Mannes ist wegen vernachl��igter Erziehung unbearbeitet“. Er w�rde Gesetze, Einschr�nkungen und Pflichten nur schlecht und mit Zwang befolgen, „wodurch die sclavische Gem�tsart immer wieder fortgepflanzt wird...Der gemeine Mann auf den D�rfern hat eine gro�e Neigung zum liederlichen Leben, vorz�glich zum Fressen und Saufen, und ist wiederspenstig.“ Und in einer Studie �ber das Landvolk im Kreise Rosenberg: „Die Faulheit ist zwar bei den oberschlesischen Bauern allgemein; indessen zeichnet sich doch der Hiesige dadurch aus, weil er weder durch Wohltaten noch Drohungen, sondern blo� durch den Stock zum Flei�e zu bringen ist. (3.)“

Ja, meine Damen und Herren, nicht alle k�nnen Nachkomen des Zeus und der Alkmene sein, oder auch nur der edlen, der Sache der Freiheit herzlichst ergebenen Sklavenhalter Nordamerikas.

�brigens: Wer diese elenden, verantwortungslosen Kreaturen Oberschlesiens des 18-ten Jahrhunderts ern�hrte, dar�ber schwieg sich der Breslauer Beamte Zimmermann aus.

Der Volkstumsforscher A. Kosler sieht mehr: „Das Volk hatte in jahrhundertelanger Gewohnheit allm�hlich ein gedem�tigtes und kriechendes Wesen angenommen, das auf Menschen kultivierterer Gegenden einen so widerw�rtigen, sklavischen Eindruck machte. Die guten geistigen Anlagen des Polnisch sprechenden Oberschlesiers, sein leichtes Fassungsverm�gen, seine Gewandtheit und Beweglichkeit im Denken, seine Anstelligkeit und k�rperliche Geschicklichkeit bleiben sowohl durch die soziale Lage als auch durch den Mangel an Schulen unausgebildet. (4.)“

Erst zu Anfang des 19- ten Jahrhunderts nahm sich der preu�ische Staat konsequent der Bildung des „ungl�ckseligen Teiles des Volkes, welches unter dem Namen der Polen dem Staat wirklich entfremdet ist“( Zitat: Regierungsrat Benda, Oppeln) an. In der Zeit zwischen 1848-1858, unter der Leitung des Schul- und Regierungsrats f�r das Reg. Bez. Oppeln, Bernhard Bogedain, wurde der deutsche Sprachunterricht stark eingeschr�nkt und der polnische dagegen ausgeweitet, womit sich die Preu�en eine Schlange auf der eigenen Brust z�chteten, denn es blieb sicherlich nicht ohne Einflu� auf die ein wenig sp�ter einsetzende Bildung des polnischen Nationalbewu�tseins unter einem betr�chtlichen Teil der Oberschlesier.

Im Jahre 1847 jedoch, auf die Behauptung eines Westfalen im Vereinigten Landtage hin, da� in OS die polnische Nationalit�t vorherrsche, antwortete der oberschlesische Abgeordnete Wodiczka: „Die benachbarten Polen sehen uns nicht als ihre Br�der an. Wir Oberschlesier wollen nur als deutsche Br�der angesehen und behandelt werden“. Viele von uns wollen das heute noch.

Warum? In meinem, in der landsmannschaftlichen Zeitung „Unser Oberschlesien“ im Februar 1999 gedruckten Artikel „�ber die polnischsprachigen Deutschen Oberschlesiens“ schreibe ich: „Bevor wir in der Schule die polnischen Epen in die H�nde bekamen, hatten uns schon Eichendorff, Busch und die Grimms ihre Stigmata aufgedr�ckt. Sowohl in der famili�ren als auch in der nationalen Tradition hatten wir andere Kodierung als der zugezogene Bev�lkerungsanteil und dessen Kinder. Sie waren vom Kreuz der Tapferen determiniert, wir - und das seit den Befreiungskriegen - vom Eisernen Kreuz. Unsere Vorfahren ritten nun mal nicht mit Leutnant Skrzetuski auf Ukraines Wilden Feldern gegen Kosaken und Tataren, sondern mit Bl�cher bei Leipzig und Waterloo gegen Napoleon. Sie hatten Anteil an dem erhabenen Ereignis im Versailles Spiegelsaal 1871 und nicht an der Proklamation der ersten geschriebenen Verfassung Europas in Warschau 1791“. Und, um es nicht unausgesprochen zu lassen, so weh es auch tut: In Auschwitz standen wir vor - sie hinter dem H�llentor.

Kehren wir in das 19-te Jhr. zur�ck. In seiner zweiten H�lfte kommt es endg�ltig zu Herausbildung von Nationalbewu�tsein unter den Oberschlesiern der unteren sozialen Schichten wie auch des Bauernstandes, das vom zaghaften bis zu 150% Polen-bzw. Deutschtum reichte. Wenn auch das polnische Kulturleben in OS der Jahrhundertwende sehr rege war, schien ein Bruderkampf doch ausgeschlossen; nicht so nach dem ersten Weltkrieg. Der wiedererstandene polnische Staat brauchte, um �berhaupt auf einem hinnehmbaren Niveau existenzf�hig zu bleiben, Kohle und Industrie. Diese schickten ihm die Himmel in Oberschlesien, wo Korfanty und seine Gesinnungsgenossen vorz�gliche Vorarbeit leisteten, indem sie weite Teile der oberschlesischen Bev�lkerung, wider deren lebenswichtige Interessen, die in der Zugeh�rigkeit zum Deutschen Reich lagen, verf�hrten indem sie ihnen den polnischen Staat als den Garten Eden und das Gelobte Land in einem zu pr�sentieren wu�ten. Dies war nicht zuletzt dank der deutschen Hoffahrt m�glich, mit der die ethnischen Deutschen den Oberschlesier vielerorts traktierten.

Dieser �berlegenheitstick, sei es als traditioneller Schowinismus, sei es als multikulturell verbr�mte Fortschrittlichkeit getarnt, wird dem polnischsprachigen Deutschen Oberschlesiens gegen�ber auch heute noch h�ufig entgegengebracht.

So kam es am 20.M�rz 1921 zum Plebiszit. Die Polen verloren. Zur weiteren Entwicklung in dieser Angelegenheit schreibt Herr Piotr Badura, Herausgeber der Regionalzeitschrift „Beczka“ (Fa�, F��chen) und seines Zeichens „ein Schlesier polnischen Geistes“, wie folgt: „Die Oberschlesier stimmten in der Volksabstimmung f�r Deutschland ab. Polen war au�erstande, diesen demokratisch zum Ausdruck gebrachten Volkswillen anzuerkennen. Es fand, da�, wenn ihm schon die Demokratie abhold war, mu� es zur Gewalt greifen. In meiner Eigenschaft als Pole sch�me ich mich Heute f�r solche Vorgehensweise der Meinen“.

Menschen, die zu solch selbstkritischem Blick f�hig sind, wiegen mehr als mehrere Regimenter Ulanen, meine Damen und Herren. Leider wird es in Polen immer noch nicht begriffen. An dessen statt wird das Wort von den Manipulatoren, Mythenerz�hlern und gemeinen L�gnern - wenn auch oft mit Professorentitel-mit einer Kaltschn�uzigkeit sondergleichen gef�hrt. Auch die Staatsf�hrer, wie zuletzt der polnische Premierminister Buzek in seiner Rede auf dem Annaberg aus Anla� des 80-ten Jahrestages der Volksabstimmung in OS, verfallen in diesen Ton.

Derweil kam es in OS zum III Aufstand. Angezetelt wurde es eindeutig von polnischen Strategen, denn, wie ich in meinem schon gleich zu Anfang dieses Vortrages zitierten Artikel schreibe, „in OS wimmelte es zwar von Eisernes-Kreuz- Tr�gern, jedoch um eine Rebellion anzuzetteln ist mehr als erwiesener Mut vor dem Feinde n�tig, und die wenigsten unter den oberschlesischen Aufst�ndischen haben in dem kaiserlichen Heer weiter als zum Obergefreiten gebracht“.

Am Ende des Ringens um Oberschlesien nach dem I Weltkrieg stand dessen Teilung(Karte).Die meisten Aufst�ndischen fanden sich in der II Polnischen Republik wieder. Diese dachte aber nicht daran, ihre riesigen Versprechen ihnen gegen�ber einzul�sen. Die Aufstandsveteranen erkannten den Trug. Nach einem Artikel Prof. Marian Orzechowskis in „Gazeta Wyborcza“ vom 2 und 3 Mai 2001, h�tte Polen die Volksabstimmung sch�ndlich verloren, h�tte es sie einige Jahre sp�ter wiederholt.

Dieses sture Pochen mancher Leute, im vorliegenden Falle meinerseits, auf die Entmythologisierung der ofiziellen Geschichtsschreibung �ber Oberschlesien im Allgemeinen und �ber die oberschlesischen „Aufst�nde“ im Besonderen, das sowohl von den Polen als auch- leider- vielerorts von den Deutschen hysterischerweise als „Revanchismus“ verschrien wird, ist nichts anderes als ein Ruf des arg Bedr�ngten nach einer Art Genugtuung, die ihm zusteht, egal, welchen Ehrenkodex wir der Sache auch zugrunde legen m�gen.

Die desillusionierten Aufst�ndischen nebst ihrer Nachkommenschaft verst�rkten die Reihen der immer noch meist polnisch dacherredenden Deutschen Oberschlesiens. Die letzte- die Nachkommenschaft der Insurgenten also- fehlt fast g�nzlich bei den zu Ehren der Aufst�ndischen seitens der offiziellen polnischen Stellen auf dem Annaberg veranstalteten Manifestationen; dies merken die Polen-bis auf die Baduras- aber nicht, denn sie erz�hlen ihre Geschichten, wie jedes andere Volk auch, f�r keinen anderen au�er f�r sich selbst.

Der n�chste Schock, den die Geschichte f�r die Oberschlesier bereit hielt war der II Weltkrieg, und, als dessen Konsequenz, der Wechsel der Staatlichkeit. Vorrangig aufgrund ihrer polnischen Sprachkenntnisse wurden sie nicht aus der Heimat vertrieben. Zur Annahme der polnischen Staatsb�rgerschaft allerdings wurden sie durch g�nzlich andere Gr�nde als ihr angeblich, ach so gl�hendes, Polentum bewogen.

Bis dato jedoch war bei ihnen, wenn auch teilweise seit einigen Generationen, doch nur das Bewu�tsein, nicht aber die Zunge, germanisiert. Es ist nun mal eine Tatsache, da� bis zum heutigen Tage eine gro�e Anzahl der Deutschen Oberschlesiens germanisierte Slaven (5.) sind; dazu geh�rt auch fast jeder Angeh�rige der heutigen deutschen Minderheit daselbst, ihre Eliten nicht ausgeschlossen - und es ist gegenw�rtig die gr��te Gruppe der deutschen Minderheit in der Republik Polen.

Nun sind die Oberschlesier nicht die einzigen germanisierten Slaven, bzw. Polen. Wir kennen alle die Wischniewskis, Radziewskis, Lewandowskis und von Wrzysz - Rekowskis Nordrhein - Westfalens; einer der hervorragendsten deutschen Strategen, Feldmarschall von Manstein, hie� in Wirklichkeit von Lewinski, und eine ganze Reihe jetzt meist in Westdeutschland ans��igen preu�ischen Adels tr�gt in ihren Wappen die „Na��czka”, ein urpolnisches Wappensymbol. Blo�: Sie alle verloren auf dem Wege in das Deutschtum ihre Sprache; nicht so der Oberschlesier. Verpflichtet der problematischen Regel, da� Sprache die Nationalit�t bestimmt, k�nnen es ihm weder die Polen noch die Deutschen verzeihen.

Als die Welt nach der Katastrophe des II Weltkrieges langsam wieder Schritt fa�te, merkten die Oberschlesier, da� das Reich nicht wiederkommt, und machten sich, sobald es m�glich wurde, erst zaghaft wie1956, verst�rkt Ende der 70-er Jahre, und in den 80-ern zu Hunderttausenden, nach Westdeutschland, in die Bundesrepublik, auf. Hier erwartete sie der n�chste Schock, der Kulturschock, wobei ich nicht zu sagen vermag, was schwerer wog: Die mangelnden Kenntnisse der deutschen Sprache oder die grundverschiedene Mentalit�t des westdeutschen Teilvolkes.

Am schmerzlichsten aber wog dessen Ignoranz: Wohlmeinend, mit Anerkennung in der Stimme, traktierten die Westdeutschen den s.g. „Sp�taussiedler“, den keiner ausgesiedelt hatte, im Gegenteil, der froh war, Polen verlassen zu k�nnen, mit Spr�chen wie: „Euer Wa��sa”, „Euer Papst“; aber auch, sobald der nicht ausgesiedelte Aussiedler Stellung zu den Angelegenheiten der Bundesrepublik bezog, mit un�berh�rbar ablehnendem: „Sieht Euch Eure Zust�nde an!“

Es war bitter f�r einen, der sich teilweise sein ganzes Leben lang mit dem westdeutschen Staat identifizierte und der sowohl den Arbeiterf�hrer Wa��sa als auch den Johannes Paul II nicht f�r seine Landsleute, sondern f�r Angeh�rige eines Volkes ansah, das in seiner subjektiven �berzeugung sich unrechtm��ig seiner Heimat bem�chtigte.

Inzwischen werden Sie wohl gemerkt haben, Liebe Zuh�rerinnen und Zuh�rer, das Oberschlesien keine leichte Heimat ist. Durch die slavische Komponente, die sich vor allem in seiner Sprache �u�ert, ist das Deutschtum des Oberschlesiers freilich viel reicher als das des Ostwestfalen, z. B., blo�: Wer liebt schon reiche Leute?

Was macht man angesichts solcher Lage?

Da es sehr einfach ist, anderen Leuten Ratschl�ge zu erteilen, so m�chte ich das auch hier und heute tun; allerdings beschr�nke ich mich darauf, diese nur an die Meinen zu richten. In Anlehnung an die Worte meines heute schon �fters zitierten Artikels rufe ich ihnen zu: „Verwindet endlich, o Oberschlesier, wie es Eure Altvorderen, um die V�lkerverst�ndigung hochverdienten Hupka und Czaja, beide Tr�ger des sch�nen Vornamens „Herbert“ taten, die Tatsache, da� Eure Vorfahren nicht leiblich unter den im Kyffh�user schlummernden Rittern zu finden sind und entfaltet breit Eure Fl�gel!“

Meinen Vortrag m�chte ich un�blicherweise mit einem Gedicht beenden, den ich f�r meine Landsleute, wie Sienkiewicz sagt: „Zur Erbauung der Herzen“ und zur ewigen Ehre meiner Heimat geschrieben habe. Ich spiele darin auf die Worte unserer deutschen Heimatlieder, auf alte Sagen, auf zeitgen�ssische Berichte wie auch Goethes Distichen f�r die Knappschaft zu Tarnowitz an:

Menschen aus Fluren,
Die sandig und karg,
Aus gr�nen W�ldern,
Vom schwarzen Land.
Wo auf dunkler Halde
Das Vaterhaus steht,
Und im Odertale
Die Sonne rot aufgeht.
Wo manche Legende
Spinnet ihr Garn:
In Eurem Lande
Bl�het der Farn.
In dunklen Sch�chten
Haust g�tiger Geist;-
Das ist Eure Heimstatt,
Die Oberschlesien hei�t.

Unter Elend und Krankheit
Und Sonnenschein,
Fristetet Ihr Eurer Dasein,
Jahrhundert aus, Jahrhundert ein,
Verwahrlost am Ende des Reiches,
(-Und lange vor seinem entstehen!-)
Als ein sehr altes,
Ein ehrbares Volk!

Selten waren Euch gerecht,
Die Fremden, die daher kamen,
Doch ward Ihr zu Haus
In Gottes gn�digem Namen.
Heute macht man Euch streitig
Das Haus, das Gef�hl,
Und w�hnt sich vorlaut am Ziel.

Ihr seid nicht geliebt-
Kein einfaches Los.
Ihr bleibt unverstanden
Und vaterlandslos.

Doch gibt es noch immer
Das Land unterm Kreuz (6.),
Und Euch, seine Kinder,
Dem Kleinmut zum Trotz.
Danke sch�n f�r’s Zuh�ren.

Danke sch�n f�r’s Zuh�ren.

Alfred Bartylla - Blanke


1.) „Wasserpolnisch“ hat nichts mit „Verw�sserung“ zu tun, sondern mit der Sprache der Polnischsprachigen, die auf dem Wasser (womit die Oder gemeint ist) und nicht auf Landwegen nach Breslau kamen.( Nach „Oberschlesische Schriftenreihe“)

2.) Polnisch: „Sl�zacy”, was eigentlich „Schlesier“ hei�t. Hierzu mu� deswegen angemerkt werden, da� im Polnischen die Begriffe „Schlesien“ = „Sl�sk“ und „Oberschlesien“ = „G�rny Sl�sk“ identisch sind. Wenn ein Pole „Schlesien“(Sl�sk) sagt, meint er fast immer Oberschlesien, seltener Gesamtschlesien; wenn er hingegen Niederschlesien meint unterschtreicht er das, indem er „Dolny Sl�sk“ = „Niederschlesien“ sagt.

3.) Zitiert aus zweiter Hand nach Bernhard Pluskwik in „Kronik des Dorfes Laskowitz“

4.) Siehe 3.)

5.) In bezug auf die Oberschlesier benutze ich den Begriff „Slaven“ der geschichtlichen Korrektheit wegen. Es ist nun mal nicht so, da� sie je Polen gewesen sind, wie es die polnische Seite suggeriert.

6.) So wird Oberschlesien von den Oberschlesiern genannt.


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