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8_09/2002

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Vertreibung ist ein Verbrechen

Der SPD-Politiker Peter Glotz
k�mpft f�r das Zentrum gegen Vertreibung

Welt am Sonntag: Herr Glotz, Sie sind Vertriebener, aber auch Sozialdemokrat, der sich jahrelang von den Vertriebenenverb�nden wegen der Ostpolitik Brandts beschimpfen lassen musste. Wie k�nnen Sie heute Seite an Seite mit der Pr�sidentin des Bundes der Vertriebenen und CDU-Politikerin Erika Steinbach f�r das Zentrum gegen Vertreibung k�mpfen?

Peter Glotz: Es hat bei mir eine Entwicklung gegeben: Als junger Mann habe ich einen Identit�tsverlust gehabt, ich habe - aus B�hmen nach Bayern vertrieben - versucht, mich an die Bayern anzupassen. Ich habe auch sprachlich den Versuch gemacht, so zu tun, als w�re ich in F�rstenfeldbruck geboren. Das hat sich im Laufe der Jahrzehnte ge�ndert: Ich habe mich mehr und mehr f�r die Geschichte meiner Familie und meiner Volksgruppe interessiert.

WamS: Warum soll 60 Jahre nach den Vertreibungen ein Zentrum gegen Vertreibung gebaut werden?

Glotz: Vertreibung ist ein hochaktuelles Problem - ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das t�glich stattfindet, beispielsweise auf dem Balkan. Dieses Thema m�ssen in Deutschland alle diskutieren. Dabei m�ssen selbstverst�ndlich auch die Verbrechen gegen die Deutschen in den Jahren nach 1945 thematisiert werden. Es geht aber nicht nur um die Vertreibung von Deutschen, sonder um das Ph�nomen der Vertreibung allgemein.

WamS: Warum kann man erst mit vielen Jahrzehnten Versp�tung �ber deutsche Vertreibungen sprechen?

Glotz: Die Rechtswende der Vertriebenenverb�nde, die die Ostpolitik von Willy Brandt bek�mpften, f�hrte bei der gesamten Linken und bei der liberalen �ffentlichkeit zu einem vereinfachten und gelegentlich auch korrupten Denkmodell: Hitler hat schreckliche Verbrechen begangen, deswegen waren die Vertreibungen als Antwort gerechtfertigt. Das aber ist falsch. Es war Unrecht, alle Deutsche kollektiv zu vertreiben. Das auszusprechen war zwischen den Jahren 1968 und 1995 fast unm�glich. Man stempelte sich damit zum Rechten.

WamS: Was war der gr��te Fehler der Linken und Liberalen?

Glotz: Wir haben das Problem nicht ernst genug genommen. Wie ernst es ist, hat sich mit den vielf�ltigen Vertreibungen erwiesen, zu denen es sowohl auf dem Balkan wie auch im Kaukasus kam. Es ist falsch, das Unrecht der Vertreibung durch irgendwelche Aktionen vorher zu rechtfertigen. Die Vertreibung und Drangsalierung von Serben im Kosovo rechtfertigt sich nicht dadurch, dass serbische Milit�rs unter Milosevic vorher hunderttausende von Albanern vertrieben haben.

WamS: Was sagen Sie zu den �u�erungen des tschechischen Ministerpr�sidenten Zeman, der die BenesDekrete, die Grundlage der Vertreibung der Sudetendeutschen. verteidigt?

Glotz: Das sind ganz abwegige �u�erungen, die die M�glichkeit der tschechischen Republik, der Europ�ischen Union beizutreten, zuerst einmal verschlechtert haben.

WamS: Was ben�tigen Sie noch f�r eine erfolgreiche Arbeit des Zentrums?

Glotz: Die Bundesregierung sollte ein Geb�ude zur Verf�gung stellen. Der Kulturstaatsminister im Kanzleramt, Julian Nida-R�melin, hat sich dazu im Prinzip auch bereit erkl�rt...

WamS:... Kanzler Schr�der hatte eine Beteiligung des Bundes ja eigentlich schon abgelehnt...

Glotz: Das beruhte wohl auf der negativen Beurteilung des Projektes durch Staatsminister Naumann. Aber der ist ja mittlerweile aus der Politik ausgeschieden. Nida-R�melin hat das nun korrigiert und der Kanzler ist offen. Das Gespr�ch f�hrte Jens Kr�ger


Gegen das Vergessen

Berlin kr� - Mehr als 300 Gemeinden und St�dte haben bereits einen Groschen f�r jeden ihrer Einwohner an das Zentrum! gegen Vertreibung gespendet.

Einer breiteren �ffentlichkeit ist das im September 2000 gegr�ndete Zentrum allerdings noch v�llig unbekannt. Das kann sich �ndern, da seit einiger Zeit dje Vertreibung der Deutschen in der �ffentlichkeit, in den Medien und in der Literatur st�rker behandelt wird - beispielsweise s durch G�nter Grass Roman „Im Krebsgang", in dem er den Untergang der Wilhelm Gustloff literarisch verarbeitet,

Vorsitzende der gemeinn�tzigen Stiftung sind die Pr�sidentin den Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, und der langj�hrige Bundesgesch�ftsf�hrer der SPD, Peter Glotz, der heutet an der Universit�t St. Gallen lehrt.

In diesem Zentrum soll unter anderem die Vertreibung von 15 Millionen Deutschen w�hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg, von denen bis zu zwei Millionen auf der Flucht umkamen, durch eine Dauerausstellung dokumentiert werden.

Als Hauptaufgabe hat sieht das Zentrum gestellt, Vertreibungen wettweit entgegenzuwirken, sowohl durch die Dokumentation wettweiter Vertreibungen wie auch durch Vertreibungsforschung in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen.

Nach Angaben des Zentrums werden f�r Erstinvestitionen rund 6,5 Millionen Euro ben�tigt. Zu den Unterst�tzern geh�ren unter anderen Rolf Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Michael Wolffsohn, Gy�rgy Konrad, Pr�sident der Akademie der K�nste in Benin, und Peter Scholl-Latour.


Aus "Welt am Sonntag" vom 31.3.2002


 

 


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