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10_12/2002

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"Barburka" das Fest der Bergleute

Das schwere und gef�hrliche Leben der Bergleute brachte es mit sich, da� sie immer wieder ihre Besch�tzerin, die heilige Barbara, um Schutz und Hilfe anflehen. Auf den Gruben wurden ihr �ber und unter Tage, in den Zechenh�usern sowie in den unterirdischen Kohlengrotten, Alt�re und kleine Kapellen errichtet. In diesen Weihest�tten waren Bilder oder Statuen der hl. Barbara mit Blumen geschm�ckt und mit Kerzen umgeben. In gr��eren Zechenh�usern waren auch oft Orgeln, Grubenfahnen, B�nke und St�hle vorhanden, so da� es schon einer kleinen Grubenkirche �hnlich sah.

 

Die heilige Barbara lebte in Nikomedien. Ihr Vater Dioskorus wollte Sie an einen reichen und vornehmen Freier verm�hlen, deswegen h�tete er sie, als w�re sie sein gr��ter Reichtum. Wenn Dioskorus auf Reisen ging, schlo� er seine Tochter in einen Turm mit zwei Fenstern ein. Als er eines Tages zur�ckkehrte, fand er in dem Turmzimmer noch ein drittes Fenster ausgebrochen und darin das ihm verha�te Kreuzzeichen. Barbara bekannte ihrem Vater, da� sie Christin geworden ist und Kreuz und Fenster habe anbringen lassen. Dioskorus wollte seine Tochter auf der Stelle t�ten, sie entwich ihm jedoch. Sp�ter f�hrte man sie vor den Richter. Die junge Christin wurde gefoltert und erlitt gro�e Qualen. Sie lie� aber von ihrem Glauben nicht ab und wurde zum zweiten Male vom Richter verurteilt. Der grausame Vater t�tete seine Tochter hernach mit eigener Hand. W�hrend des Martertodes der heiligen Barbara wurde ihr Vater Dioskorus am Richtplatz vom Blitze erschlagen. Sankt Barbara ist in die Schar der vierzehn Nothelfer eingereiht und gilt als Helferin f�r einen guten Tod. Auch der Bauer ruft bei Unwetter und Blitzschlag um ihre Hilfe an; ebenfalls die Artillerie hat sie zu ihrer Schutzpatronin erkoren. Sankt Barbara ist auch unsere Adventsbotin, ein Kirschzweig an ihrem Ged�chtnistag, dem 4. Dezember, ins Wasser gestellt, bl�ht am Weihnachtstage auf. Im Jahre 306 starb sie den M�rtyrertod.

Fast alle Bergleute suchen vor ihrer Einfahrt in die Grube f�r einige Minuten die St. Barbara-Kapelle auf. Schon in ihre Arbeitskleidung umgezogen, in der Hand die Grubenlampe, auch Karbitka genannt, Steiger und Hauer noch mit dem Grubenstock, dem sogenannten Kilof, stehen sie versunken im Gebet vor dem Bild ihrer Heiligen. Oft hat Sankt Barbara die Bergleute aus schwerer Not und Gefahr errettet; der starke Glaube, die Besinnung, die Erkenntnis und Vorsicht, die aus dem Gebet hervorging, lenkte oft ihre Arbeit unter Tage, sie half die drohende Gefahr zu wittern und vorauszusehen und somit diese abzuwenden und zu verhindern. Bei den Bergleuten entwickelte sich unter Tage der sechste Sinn. Sie wurden hellh�rig und sp�rten die Gefahr oft voraus. Wie machtlos der Mensch gegen die Gewalten der Natur ist, f�hlt er besonders unter Tage, wenn er durch Stein und Erdmassen von allen Seiten eingeschlossen, nur durch einen schmalen Weg mit der Au�enwelt verbunden ist. Durch das Sprengen der Kohlenfl�ze fordert der Mensch die Gewalt der Nalur heraus, ein kleines Grellen ein Erdrutsch und abgeschnitten ist der Weg der Bergleute nach au�en. Auch die oft durchbrechenden unterirdischen Wassermassen, besonders auch die mit Sand vermengten die sogenannten Kurschawka, gef�hrden aufs �u�erste das Leben der Bergleute. In den verlassenen Stollen lauern oft die schlagenden Wetter, welche jeder Sprengschu� zur Entladung bringen kann. Der Bergmann kennt die Gefahren, mit welchen er t�glich unter Tage konfrontiert wird. Deswegen fleht er jeden Tag die �berirdische Macht und Hilfe seiner Heiligen an. Dabei handelt es sich um eine tiefe Verehrung, welche aus einem Gef�hl der Angst und Besorgnis hervorkommt. Der Bergmann bittet seine Heilige um Hilfe in der Gefahr und Not und um Errettung aus dieser. Auch f�r seine oft kinderreiche Familie und f�r seine Frau bringt er das Gebet dar.

 

Wenn St. Barbara die Bergleute wieder ein ganzes Jahr hindurch besch�tzt hat, so danken diese es ihr am 4. Dezember, dem Tag ihrer Heiligsprechung. Die sogenannte Barburka ist wohl das gr��te und sch�nste Fest der Bergleute. Es wird nicht nur in unserer oberschlesischen Heimat gefeiert, sondern �berall da, wo es Gruben und Bergleute gibt. So im Saarland, Ruhrgebiet usw. Am fr�hen Morgen versammelt sich die ganze Grubenbelegschaft in schmucker Bergmannsuniform vor dem Zechenhaus. So schwarz wie die Kohle, so ist auch die Farbe der Bergmannstracht. Am Kopfe tragen sie ihren Bergmannshut, den sogenannten Tschako oder Koupak. Dieser ist geschm�ckt mit einem schwarzen Federbusch. Die Hauer haben einen schwarz-wei�en Federbusch, die Steiger einen wei�en Federbusch. Die Uniform ist aus schwarzem Tuch gefertigt, Kragen und �rmel haben Aufschl�ge und am linken Arm ist das Zeichen der Bergleute "Hammer und Schlegel" angebracht. Die Steiger tragen zur Bergmannsuniform noch einen Degen. Jede Grube hat ihre Bergmanns-Musikkapelle. Auch diese haben ihre schwarzen Uniformen, nur tragen sie auf ihrem Tschako einen roten Federbusch. Die Bergleute nehmen am Grubenplatz vor dem Zechenhaus Aufstellung, die Kapelle spielt den Pr�sentiermarsch, die Beamten ziehen den Degen und die Fahnendelegation tr�gt aus dem Zechenhaus die Fahne der hl. Barbara heraus. Nun setzt sich der ganze Zug in Bewegung, voran die Kapelle, hinterher die Fahnendelegation, dann noch einige andere Grubenfahnen. Als n�chster kam der Obersteiger, der den ganzen Umzug anf�hrt. Hinter diesem die Grubenbeamten, dann die uniformierten Bergleute und zum Schlu� die Grubenbelegschaft ohne Uniform. Der Zug bewegte sich vom Zechenhaus durch das ganze Dorf zur Pfarrkirche. Dort wurde ein feierliches Hochamt mit Predigt gehalten. In der Kirche war besonders der links vom Marienaltar sich befindende St. Barbara-Altar sch�n geschm�ckt und hell erleuchlet. Auch alle anderen Alt�re, besonders der Hauptaltar, strahlten im Schmuck der Kerzen, Lampen und Blumen. Die Orgelmusik wurde verst�rkt durch die Grubenkapelle, die zahlreich versammelte Geistlichkeit in ihren wei�-gold-roten Ornaten, die vielen Ministranten in ihren wei�en Fr�ckchen, die dunklen Uniformen der Bergleute, die festliche Kleidung der Frauen, M�dchen und Kinder, der aufsteigende Weihrauch und sein sich �berall verbreitender Duft, das alles gab eine unbeschreiblich festliche Atmosph�re. Wenn am Schlu� des Festgottesdienstes der Lobgesang "Gro�er Gott wir loben Dich" durch die ganze Kirche m�chtig erschallte, so konnte man bei manchen Anwesenden Tr�nen in den Augen erblicken. Nach dem Gottesdienst ging es zur�ck zum Zechenhaus, wo die Ehrungen der Bergleute vorgenommen wurden. F�r eine 25j�hrige Zugeh�rigkeit zur Grube erhielten die Jubilare ein wertvolles Geldgeschenk, ein Diplom und oft auch eine goldene Uhr. In Ansprachen von Seiten der Bergbeh�rde wurden diese Menschen geehrt. Die Bergmannskapelle versch�nerte die Feier und dabei durfte das Lied "Gl�ck auf, der Steiger kommt" nie fehlen. Alle Bergleute erhielten auch f�r diesen Tag Bons, f�r welche sie in den Gasth�usern Essen und Trinken durften. Nach der Feier im Zechenhaus gingen die Bergleute ins Kasino oder in andere Lokale, dort feierten sie mit ihren Familien ihr sch�nes Fest. Am Abend gab es f�r die Jubilare eine besondere Feier.

 

Ansprachen, Musikeinlagen, Gedichte und gemeinsames Essen waren der Ausdruck der Ehrung. Es darf nicht vergessen werden, da� wir Kinder an diesem Tage schulfrei hatten und dadurch auch in den Genu� des Festes unserer Br�der und V�ter kamen.

F�r die meisten Menschen der Grubengegend war die "Barburka" das sch�nste Fest des Jahres. M�ge dieses noch recht lange unseren Landsleuten in der oberschlesischen Heimat erhalten bleiben.

Leopold Walla

Aus dem Buch "So lebten wir in Oberschlesien"


 

 


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