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11_02/2003

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Der Federball

Sobald meine Schwestern ins heiratsf�hige Alter kamen, mu�te meine Mutter f�r die Aussteuer, in erster Linie f�r die Betten, sorgen. Zu diesem Zwecke wurden zu Hause einige G�nse gehalten und dieselben im Laufe des Jahres wiederholt gerupft. Die Federn wurden in einem gro�en Leinensack gesammelt und f�r den Winter aufgehoben. An den langen Winterabenden kamen dann Freundinnen und Bekannte zum Federschlei�en. Wir versammelten uns meistens in der K�che, der gro�e K�chentisch wurde in die Mitte gestellt und wir sa�en rings um diesen herum. Auch wir Kinder durften beim Federschlei�en mitmachen. Jeder Teilnehmer bekam einen gro�en Topf auf den Scho�, die Mutter sch�ttete die zum Schlei�en bestimmten Federn auf den Tisch und nun nahm sich jeder eine Handvoll Federn und befreite jede einzelne vom Stiel und gab sie in den Topf; den Federstiel lie� man auf den Boden fallen. Anfangs bereitete uns das Federschlei�en noch einige Schwierigkeiten, aber bald beherrschten wir die Technik und ohne auf die Federn schauen zu m�ssen, ging die Arbeit flott von der Hand. Unter den Versammelten kam bald ein munteres Gespr�ch auf.

Man erz�hlte von allerlei Dingen, vom Tagesgeschehen, von den Freunden und Nachbarn, von der bevorstehenden Hochzeit usw. Als die �blichen Gespr�chsthemen ersch�pft waren, ging man dazu �ber, "B�re und Bojki" zu erz�hlen. Es fanden sich immer einige Begabte unter uns die es besonders gut verstanden, vom Berggeist oder vom Pistulka die schaurigsten Geschichten hervorzubringen. Wenn wir des Erz�hlens m�de wurden, reichte die Mutter belegte Schnitten zur St�rkung in der Reihe herum, zwischendurch sammelte sie die geschlissenen Federn in einer hierf�r bestimmten gro�en Zieche. Selbstverst�ndlich hatten die Frauen und M�dchen ein Tuch um den Kopf gebunden, denn das Entfernen der kleinen Federn aus den Haaren war mit gro�en Schwierigkeiten verbunden. Es wurde oft sp�t, bis sich die ganze Gesellschaft aufl�ste und nach Hause ging. Als wir alleine waren, halfen wir noch der Mutter, die am Boden verstreuten Federkiele einzusammeln, denn aus denselben wurden noch Sofakissen gef�llt. Sobald der Vorrat der noch nicht geschlissenen Federn zur Neige ging, wurde �ber den bevorstehenden Federball eifrig gesprochen, denn er war der festliche Abschlu� des Federschlei�ens und zugleich die Belohnung hierf�r. Es war eine Ehrensache der Freundin beim Federschlei�en zu helfen.

Der Federball wurde meistens Ende Februar, Anfang M�rz gefeiert. Schon die Vorbereitungen f�r denselben machten uns viel Freude. Wir holten aus dem Walde Tannengr�n und machten daraus Girlanden. Die Schwestern zauberten bunte Papierblumen hervor und versch�nerten damit die Girlanden. F�r den Federball wurden die Zimmer ausger�umt, um recht viel Platz f�r Tanz und Spiel zu schaffen. Die Dekken und W�nde wurden mit Girlanden und Lampions geschm�ckt; die Mutter war flei�ig beim Pfannkuchenbacken und versteckte in so manchem anstatt Pflaumenmus ein Geldst�ck, einen Liebeszettel oder andere kleine Gegenst�nde. Auch Punsch und Gl�hwein durften nicht fehlen.

Als es dunkel wurde, stellten sich die ersten G�ste ein. Es waren meistens die Teilnehmerinnen vom Federschlei�en und ebenfalls so viele Kavaliere, denn der Federball diente auch dazu, so manches zarte Liebesband zu schlie�en. Alle waren festlich gekleidet, die M�dchen in Tanzkleidern, die Kavaliere in Dunkel mit steifem Kragen. Da meine beiden Br�der Klavier und Geige spielten und unser Hausfreund Fritz Wiesner das Cello dazu erklingen lie�, so war bald Stimmung unter der jungen Gesellschaft. Wir kannten fr�her keine Tanzschulen, der Federball diente auch noch dazu, so manchem jungen Mann die ersten Tanzschritte beizubringen; die M�dchen brauchten das Tanzen meistens nicht zu lernen, der liebe Gott legt ihnen diese Kunst schon in die Wiege.

Der Federball war nicht nur ein Tanzabend, auch die Gesellschaftsspiele kamen zu ihrer Geltung. So hat zum Beispiel "die kleinste Frage der Welt" recht viel Heiterkeit jeweils hervorgerufen. Auch "H�nschen piep einmal" oder "ich bin b�se auf Dich", "der Flaschentanz", "was bringt die Zeitung mit", der "Wunderspiegel" usw. brachten recht viel Fr�hlichkeit mit sich. Das an die Gesellchaftsspiele anschlie�ende "Pf�nder verteilen" rief viel Spa� hervor und wollte gekonnt sein. Der H�hepunkt vom Federball war die "Polonaise". Dabei durchstreiften wir das ganze Haus vom Boden bis zum Keller, auch Hof und Garten kamen an die Reihe. Mein Vater, als Meister der Ziehharmonika, spielte zu diesem fr�hlichen Tanz auf und begleitete seinen Weg. Der Uhrzeiger r�ckte immer weiter und niemand wollte nach Hause. Erst sp�t nach Mitternacht l�ste sich die Gesellschaft auf, todm�de und fr�hlichen Herzens fand man den wohlverdienten Schlaf. Der Federball war in unserer oberschlesischen Heimat doch was herrliches. Der Hang zur Fr�hlichkeit, der Wille zum Gelingen eines Festes beizutragen, die Gesangsfreudigkeit und Liebe zur Musik sind uns eigen. Ohne diese Voraussetzungen kann ein Fest nicht gelingen. Nur wenige V�lker k�nnen sich so an Spiel, Tanz und Gesang erfreuen, f�r uns ist es eine Selbstverst�ndlichkeit und wie gro� der Unterschied ist, sehen wir bei unseren landsmannschaftlichen Treffen. Wir sind dann so wie Kinder unbefangen und unkompliziert und geben uns der Freude, dem Spiel, Tanz und Gesang so hin, wie wir sind.

Dr Leopold Walla

Aus dem Buch "So lebten wir in Oberschlesien"


 

 


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